Spurensuche in und um Leipzig

30. September - 3. Oktober 2011
Konzert- und Kulturreise des Männerchorensembles Cantate Domino
Leipzig, heute in die Erlebnisregion Neuseenland eingebettet, hat schon immer als bedeutender Messestandort Anziehungskraft für Besucher aus aller Herren Länder ausgeübt.
So machten sich auch die Sänger des Männerchorensembles Cantate Domino mit ihrem Leiter Fred Eberle auf, um musikalische, geschichtliche und geographische Spuren in und um die Stadt Leipzig zu suchen. Nach der Fahrt durch das ehemalige Braunkohleabbaugebiet erreichte man als erste Station Güldengossa vor den Toren Leipzigs. Das ehemalige Rittergut rückte 1813 während der Völkerschlacht um Leipzig als Lazarett für kurze Zeit in den Fokus europäischer Machtpolitik. Nach der liebevollen Renovierung des Schlosses und des Schlossparks durch den gebürtigen Herlikofer Adalbert Geiger, beherbergt es heute den Firmensitz der Firma „Geiger-Edelmetalle“.
Nach kurzer Weiterfahrt wurde Quartier in unmittelbarer Nähe der Nikolaikirche im Herzen Leipzigs bezogen. Ein geschichtsträchtiger Ort insbesondere deshalb, als vor dieser Kirche die allwöchentlichen Montagsgebete und – Demonstrationen stattfanden, die in Zusammenhang mit der friedlichen Wende zur Einheit Deutschland standen.

 

Am Abend wurde in dem Kabarett-Theater Leipziger Funzel eine Vorstellung mit unterhaltsamen, pointierten Szenen aus drei politischen Programmen mit dem Thema „ Glotze total“ besucht.
Der nächste Tag begann mit einer Führung durch das Bach-Museum. Dr. Wolfram Enßlin, der Neffe eines Gmünder Kinderarztes, gab als Musikwissenschaftler den Teilnehmern viele interessante Informationen zu Johann Sebastian Bach, seinem Leben, seinen Werken und seiner Familie.
Während eine Gruppe am Nachmittag eine Motette in der Thomaskirche mit dem weltberühmten Thomanerchor besuchte, begab sich die zweite Gruppe mit einem sehr vielseitigen Stadtführer, Bernd Weinkauf, auf Spurensuche im Herzen Leipzigs. Nicht nur mit geschichtlichen Daten, sondern auch Anekdoten und kritisch politischen Hinweisen zeichnete er ein Bild der Stadt. Anschließend trafen sich die beiden Gruppen im zweitältesten Kaffeehaus Europas, dem „Coffe Baum“.
Am Abend legte das Männerchorensemble mit einem Konzert in der Stadtpfarrkirche St. Albert im Leipziger Stadtteil Wahren eigene Spuren. In dem Dominikanerkloster wurden Werke alter und zeitgenössischer Komponisten dargeboten. Ergänzt wurde das Konzert durch den jungen Organisten, Jonas Wilfert aus Berlin, der mit eigenen Orgelimprovisationen Brücken zwischen den einzelnen Teilen schlug.

Am Sonntag wurde die Elbstadt Torgau besucht. Mit dem dortigen Gemeindepfarrer Beer gestalteten die Männer in der Frauenkirche St. Marien einen Familiengottesdienst zum Erntedank mit. Dabei sangen sie unter anderem im Wechsel mit der Gemeinde ein Lied des Kantors der Reformation, Johann Walter, der mit seiner Tätigkeit in St. Marien die Tradition sehr anspruchsvoller Kirchenmusik begründete. Nach einem gemeinsamen Mittagessen wurde den Teilnehmern durch zwei Stadtführerinnen das geschichtsträchtige Torgau nähergebracht. Man begab sich zum einen auf die Spuren Luthers, der die Schlosskirche 1544 als ersten protestantischen Kirchenbau weihte und dessen Gattin,  Katharina von Bora in der Marienkirche beigesetzt ist. In der ehemaligen Nikolaikirche fand die erste deutsche Taufe wie auch die erste evangelische Predigt in deutscher Sprache statt. Aber auch  die Spuren jüngster Geschichte wurden lebendig. So trafen sich am 26. April 1945 amerikanische und russische Truppen vor den Toren der Stadt.
Am Abend konnte dann Leipzig auf eigene Faust erkundet werden. Höhepunkte waren sicher der Leipziger (Kopf-)Bahnhof und ein Blick über das nächtliche Leipzig vom MDR-Hochhaus.
Am Tag der deutschen Einheit setzte der Chor mit der Gestaltung einer musikalisch-literarischen Matineé auf Schloss Thammenhain mit dem Thema „Musik verbindet“ ein Zeichen. „..Ein Band soll uns umschließen, das sich von Land zu Lande schlingt.“ hieß es im Eingangschor. Dazu las der Besitzer des Schlosses, Rüdiger Freiherr von Schönberg sehr persönliche Texte, die zum Nachdenken anregten. So spürte man immer wieder die Tragik, aber auch die Suche nach den eigenen Wurzeln, die ihn dazu brachte, das Schloss wieder zurückzukaufen, das seit 1666 die Heimat seiner Familie war und das er im Oktober 1945 mit seinen Eltern und Geschwistern verlassen musste. In den anschließenden Gesprächen und der herzlichen Gastfreundschaft wurden auch seine Beziehungen zu Schwäbisch Gmünd deutlich. Seine Frau Elisabeth als Tochter des Inhabers der Josephinenhütte, Graf Schaffgotsch, wuchs in Schwäbisch Gmünd auf. Nach einer Führung durch das Schloss und den Park wurde mit vielen Eindrücken, die die Spuren hinterlassen hatten, die Heimreise angetreten.